Veranstaltung: Kolonial - lokal global
- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Unter dem Titel „Kolonial – lokal global“ haben wir den Blick auf postkoloniale Spuren vor Ort in Bielefeld als auch dessen globale Zusammenhänge gerichtet. Gemeinsam mit Prof. Dr. Birte Förster und Dr. Barbara Frey wurden spannende Perspektiven eröffnet, die viele neue Denkanstöße gegeben haben.
Besonders im Gedächtnis blieb uns der Blick auf die lokale Geschichte: Der Fall des Kolonialisten Carl Peters hat noch einmal deutlich gemacht, wie präsent koloniales Erbe auch im Stadtbild sein. In den 1960er Jahren widmete die Stadt dem Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika einen Straßennamen zu seinen Ehren. Erst durch Gründung einer Initiative zur Umbenennung und größeren gesellschaftlichen Druck gelang die Umwidmung. Das zeigt, wie wichtig eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist und was bürgerschaftliches Engagement erreichen kann.

Auch der Umgang mit kolonialen Artefakten aus Bielefelder Beständen hat gezeigt, wie langwierig und konfliktreich Aufarbeitungsprozesse sein können. Über viele Jahre hinweg wurde eine kritische Auseinandersetzung teilweise blockiert, aus Sorge vor Rückgabeforderungen oder finanziellen Konsequenzen. Umso wichtiger ist es, dass inzwischen Bewegung in diese Fragen gekommen ist und eine ernsthafte Aufarbeitung stattfindet. Bis dahin war es aber ein langer Weg, den, wie der Vortrag gezeigt hat, es sich für alle Beteiligten gelohnt hat zu gehen.
Die globale Tragweite postkolonialer Spuren beleuchtete die Bielefelder Professorin Birte Förster. Anhand konkreter Beispiele, etwa der Ausbeutung lokaler Bauxitvorkommen in Afrika oder riesigen Staudammprojekten zur Gewinnung von Energie für westliche energieintensive Betriebe, wurde deutlich, wie koloniale Strukturen auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgewirkt haben. Besonders bedrückend war die Erkenntnis, dass viele dieser Projekte nicht den Menschen vor Ort zugutekamen, sondern primär westlichen Interessen dienten. Die betroffenen Länder können dabei oft nicht einmal selbst über ihre eigenen Ressourcen oder dessen Vertreibung verfügen. Dies hat bei einigen Anwesenden trauriges Kopfschütteln ausgelöst und kritische Nachfragen ergeben. Die Antwort auf die Frage was dagegen unternommen werden könnte wurde mit einem klaren Auftrag gegeben, „Aufmerksamkeit schaffen!“




